Du öffnest Shazam, voller Hoffnung, dass die App den Ohrwurm erkennt, der dir nicht aus dem Kopf geht. Stattdessen: „Kein Treffer, wir konnten das leider nicht erkennen." Du versuchst es noch einmal, summst die Melodie vor dich hin und wartest. Wieder nichts.

So ärgerlich das auch ist, da liegt der Hase im Pfeffer, und es ist alles andere als ein Einzelfall. Shazam kann aus vielen Gründen scheitern: Die Aufnahme ist zu undeutlich, Stimmen überlagern die Musik, oder der Song, den der DJ gerade gespielt hat, ist schlicht noch nicht in der Datenbank.

Die gute Nachricht? Das Rätsel ist damit nicht gelöst, aber das Spiel ist auch noch nicht verloren. Menschen haben Songs schon identifiziert, lange bevor Shazam existierte, und die bewährten Methoden funktionieren noch immer genauso gut. Kein Hexenwerk, nur ein bisschen Geduld und die richtigen Werkzeuge.

1. Andere Apps ausprobieren

Shazam verfügt über eine der größten Musikdatenbanken der Welt, was kaum überrascht, da Apple dahintersteckt. Apple vernetzt Songs über seine Produktwelt, etwa Apple Music, und macht sie für Shazam erkennbar. Der häufigste Grund, warum Shazam deinen Song nicht findet, ist daher denkbar simpel: Er ist dort schlicht nicht vorhanden.

Das gilt vor allem für brandneue Veröffentlichungen oder für Künstler, die ihre Musik nicht auf allen Streaming-Plattformen anbieten.

Genau hier kommen andere Apps ins Spiel. Viele setzen auf eine völlig andere Datenbank als Shazam, was deine Chancen auf einen Treffer deutlich erhöht. Wie Shazam nutzen auch diese Apps die akustische Fingerabdrucktechnologie, können also Songs aus Aufnahmen und Dateien erkennen.

SoundHound gilt für viele als die beste Alternative zu Shazam. Die App ist besonders stark bei der Erkennung von Summereingaben und Gesang. Viele Nutzer berichten, dass sie bei Pop- und Rocktracks sehr gut funktioniert. Wenn dein Song zu einem dieser Genres gehört, fang am besten mit SoundHound an.

Die Erkennungsfunktion von YouTube Music, in der mobilen App verfügbar, ist weit weniger bekannt. Sie identifiziert Songs, indem sie die Umgebung aufnimmt, und stützt sich dabei auf YouTubes riesige Video- und Musikbibliothek.

Probiere YouTube Music besonders dann, wenn du vermutest, dass der Ton verändert wurde, zum Beispiel bei Remixen, verlangsamten oder beschleunigten Versionen. YouTube Music erkennt diese Varianten oft zuverlässig, weil Nutzer bearbeitete Versionen hochladen und damit die Datenbank erheblich erweitern.

Wenn du eine Video- oder Audiodatei hast, die du erkennen lassen möchtest, bieten Websites wie AHA-Music und Audiotag die Möglichkeit, sie direkt hochzuladen und gegen ihre Datenbanken abzugleichen, ohne Installation, ohne Account, und auf jedem Gerät nutzbar.

2. Mit Liedtext suchen

"Esas son Reebok o son Nike?", „Sind das Reeboks oder Nikes?"

Wenn du einzelne Textzeilen aus dem Song heraushören kannst, könnte eine Lyriksuche dich direkt zum Ziel führen.

Apps und Websites wie Musixmatch, Genius und AZLyrics ermöglichen die Suche nach Liedtexten, durchsuchen dann ihren umfangreichen Bestand und zeigen dir Songs, in denen diese Wörter vorkommen.

Oder statt alle einzeln abzufragen, kannst du Google nutzen, um nach veröffentlichten Liedtexten zu suchen, wichtig dabei: die Textzeile in Anführungszeichen setzen.

Das Schöne an der Lyriksuche ist ihre Toleranz für Ungenauigkeiten. Du musst nicht den genauen Wortlaut kennen, um fündig zu werden. Manchmal reichen ein paar ähnlich klingende Silben.

Ein Beispiel, das einem auf der Zunge liegt: Ein Radiohörer in der Dominikanischen Republik fragte die Moderatoren nach einem Song, dessen Text seiner Meinung nach lautete: „Esas son Reebok o son Nike?", also: „Sind das Reeboks oder Nikes?" Die Moderatoren waren zunächst ratlos, weil kein Song diesen Text wirklich enthält. Dann aber fiel es einem von ihnen wie Schuppen von den Augen, und er spielte den Dancefloor-Hit von 1993: „Rhythm of the Night" von Corona. Der phonetische Gleichklang zwischen „Rhythm of the Night" und „Reebok o Nike" hatte das Ohr des Hörers auf die falsche Fährte gelockt, und die Geschichte ist so komisch wie lehrreich.

Diese Logik kannst du für dich nutzen und verschiedene Varianten des Textes suchen, an den du dich erinnerst. Das sind Beispiele für Suchanfragen, die du genau so in Google eingeben kannst:

  • "dancing in the moonlight" lyrics (exakter Liedtext)
  • "dancing in the moon" song (verhörte Version)
  • song that goes "something something moonlight" (ungenaue Version)

Alle drei können zum selben Song führen, deine verhörten oder ungefähren Texterinnerungen sind genauso wertvoll wie der exakte Wortlaut.

Für Songs ohne Lyrics bleibt die Suche per Beschreibung, besonders auf YouTube. Das klingt zunächst aussichtslos, aber YouTube hat einen erstaunlich guten Index für Beschreibungen, Metadaten, Kommentare und automatisch generierte Untertitel. Manche haben Songs gefunden, indem sie einfach beschrieben haben, wie der Synthesizer klang oder welche Stimmung der Track hatte. Unterschätze diese Methode nicht.

3. In sozialen Medien fragen

Wenn alle bisher genannten Tools und Methoden nichts gebracht haben, sind soziale Medien oft die letzte Rettung.

Und dort zeigt sich: Menschen können beim Songsuchen mindestens genauso gut sein wie Programme und Algorithmen, wenn nicht sogar besser. Die rätselhaften Songs, an denen Apps scheitern, sind für viele Nutzer genau die, die sie seit Jahren kennen und lieben. Ein Song, der in keiner Erkennungsdatenbank auftaucht, läuft vielleicht bei jemandem auf Dauerschleife, der ihn genauso gerne teilt, wie du ihn endlich finden möchtest.

Dazu kommt: Plattformen wie Instagram und TikTok haben integrierte Musikfunktionen, mit denen Nutzer Musik zu ihren Beiträgen und Stories hinzufügen können. Dabei wird ein Musik-Sticker angezeigt, mit dem Zuschauer den verwendeten Song sofort sehen, die meisten Beiträge sind damit korrekt beschriftet.

Aber wenn du auf einen mysteriösen Song stößt, den die Plattform nicht korrekt erkannt hat, ist deine beste Option: direkt den Ersteller fragen, in den Kommentaren nachfragen oder schauen, ob vor dir schon jemand gefragt hat, und ob eine Antwort vorliegt.

Falls das nichts hilft, kannst du in speziellen Communities für Musiksuche posten.

Dazu gehören Subreddits wie r/tipofmytongue und r/NameThatSong, große, aktive Communities, in denen Mitglieder helfen, Songs anhand von Summen, Liedtext, Beschreibung oder Aufnahmen zu identifizieren.

Vergiss auch WatZatSong nicht, das größte Musiksuchforum, wo du ebenfalls Clips und Aufnahmen hochladen kannst.

Das Beste an echten Menschen ist ihre Fähigkeit, auch die schwierigsten Treffer zu finden, egal wie vage die Beschreibung oder wie verrauscht die Aufnahme ist, die du ihnen hinwirfst.

Was du im Hinterkopf behalten solltest

Es muss zugegeben werden: Manche Songs lassen sich im Moment einfach nicht finden, selbst wenn du alle diese Tipps und Tools ausprobierst.

Aber das heißt nicht, dass du aufgeben solltest. Manchmal ist das Klügste, abzuwarten und es später noch einmal zu versuchen. Der Song könnte in eine Erkennungs-App aufgenommen werden, jemand lädt ihn auf YouTube hoch, oder du triffst auf die richtige Person in sozialen Medien. Gib die Hoffnung also nicht auf, versuch es einfach nochmal.

Kurz zusammengefasst: Wenn Shazam nicht weiterhilft, kannst du andere Musikerkennungs-Apps ausprobieren, nach Liedtext oder Beschreibung suchen und in sozialen Medien oder spezialisierten Online-Communities fragen. Wer alle drei Methoden kombiniert, hat die besten Chancen, den rätselhaften Song aufzuspüren. Mit ein bisschen Geduld und Ausdauer findest du fast immer, wonach du suchst.